Chemtou (Simitthus)

Chemtou (Simitthus)

Ansicht des archäologischen Museums von Chemtou - Foto: Uwe Bigalke




Marmor aus Chemtou

Chemtou (Simitthus)

Trümmer der ehemaligen römischen Brücke über den Medjerda - Foto: Uwe Bigalke



Von Tabarka über die GP 17 in Richtung Jendouba geht es heute über Ain Draham zu den einstigen römischen Marmorsteinbrüchen in Tunesien: Chemtou (Chimtou). Unterwegs genießen wir die wunderbare, grüne Landschaft Nordtunesiens. Wir fahren an Bulla Regia vorbei und biegen wenig später nach rechts auf die GP 59 in Richtung Chemtou, das wir alsbald erreichen. In Nordtunesien ließen einst die Römer den begehrten Chemtou-Marmor abbauen – von Strafgefangenen und unter unmenschlichen Arbeitsbedingungen. Marmor numidicum nannten ihn die Römer, giallo antico die Italiener. Mit dem edlen, gelb schimmernden Material schmückten die Angehörigen der Oberschicht im Römischen Reich ihre Gebäude. Hunderte von Strafgefangenen ließen dafür ihr Leben.


Zwangsarbeit

Chemtou (Simitthus)

Ansicht des Lagers der Arbeiter


"Damnati in metallum", die zur Zwangsarbeit in Minen und Steinbrüchen Verurteilten, erlitten eine der schwersten Strafen, die fast den sicheren Tod bedeutete. Heute sind die Schläge verhallt. Nur die künstlichen Schluchten, die den Djebel Chemtou durchziehen, und gigantische Abraumhalden erinnern an die düstere römische Vergangenheit. Gleich einem Schiff schiebt sich der zerklüftete Marmorrücken in die Ebene des Medjerda, des größten Flusses Tunesiens. Eine Gruppe deutscher und tunesischer Archäologen hat hier die römischen Steinbrüche und das größte Arbeitslager des Römischen Reichs sowie die angrenzende antike Stadt Simitthus freigelegt. Die sensationellen Entdeckungen sind jedoch noch wenig bekannt.


Geschichte

Chemtou (Simitthus)

Reste der römischen Brücke


Angefangen hat alles vor über 2100 Jahren, als die Numider, die legendären barbarischen Nomadenstämme Nordafrikas, das westliche Medjerdatal eroberten. Ihr Fürst Micipsa ließ auf dem Berggipfel für seinen Vater Massinissa, den bedeutendsten Herrscher der Numider, ein Heiligtum aus dem dort vorhandenen Marmor errichten. Wie ein riesiger Altar ragte das Denkmal in den Himmel. Massinissa war einer der gefürchtetsten Gegner Karthagos. In der blühenden Handelsmetropole erzogen, war er mit den punischen Kampftechniken vertraut und unterstützte zu Beginn des zweiten Punischen Kriegs noch Karthago. Doch dann geschah etwas, das den Karthagern zum Verhängnis werden sollte: Hasdrubal, Anführer der karthagischen Truppen, verheiratete seine bereits mit Massinissa verlobte Tochter mit dessen Erzfeind Syphax, dem Herrscher Westnumidiens. Massinissa war zutiefst gekränkt.

Er paktierte mit Rom gegen Karthago, lieferte Getreide, Soldaten und Kriegselefanten. Mit Hilfe der aufstrebenden Weltmacht gelang es ihm, das Medjerda-Tal der punischen Herrschaft zu entreißen.



Chimtou, Tempelberg

Tempelberg in Chemtou, Tunesien - eingebunden über Wikimedia Commons - Foto by Daniela Gauss

Numidische Siedlung

Chemtou (Simitthus)

...gigantische Abraumhalden.... - Foto: Uwe Bigalke


Am Ende des dritten Punischen Krieges, 146 v. Chr., lag Karthago in Schutt und Asche. Massinissa selbst erlebte diesen Triumph nicht mehr. Die Macht der Numiderfürsten erreichte jedoch einen Höhepunkt. Wer aber waren diese gefürchteten Reiter Nordafrikas? Zwar fehlen schriftliche Quellen, doch archäologische Funde zeigen, dass am Fuß des Berges von Chemtou bereits im 5. Jahrhundert v. Chr. eine numidische Siedlung die Kreuzung wichtiger Handelswege kontrollierte. Freiburger und tunesische Archäologen haben jetzt unter der römischen Ruinenstadt Dougga (Thugga) ein numidisches Wohnhaus freigelegt.


Dougga

Umgebung bei Dougga


Sie haben entdeckt, dass die Römer nicht nur Kampftechniken, sondern auch die Bauweise der Einheimischen übernahmen. Wein und Tafelgeschirr importierten die Numider hingegen aus Italien. Obwohl Dougga kaum 100 Kilometer von den Steinbrüchen Chimtous entfernt ist, fand sich dort nur eine flache Schale aus Chemtou-Marmor aus der Kaiserzeit. Von den Numidern wurde der wertvolle Stein offenbar kaum abgebaut. Erst unter römischer Herrschaft begann die Ausbeutung in großem Stil.



Alte Römerbrücke

Chemtou (Simitthus)

Römische Wassermühle 114 n. Chr. - Vertikale Achse - Bildquelle: Wikipedia (Public domain)


Wie ein Ghetto waren die Steinbruchverwaltung und das Arbeitslager von der Stadt durch eine dicke Mauer abgeschirmt. Im Westen lagen die großzügigen Verwaltungsgebäude, im Osten Werkstätten, in der Mitte der hermetisch abgeriegelte Block: das ergastulum, ein gefängnisartiges Gebäude. Die Podien, auf denen die Arbeiter schliefen, waren hart, die Latrinen primitiv. Von einer Anlage aus Marmor, wie sie in den Städten üblich war, konnte man hier nur träumen. Eine Votivtafel zeugt von den erbärmlichen Zuständen. In kleinen Buchstaben steht darauf: Im Juno-Steinbruch wird der Steinhauer Dorus von seinen Arbeitskameraden sexuell mißbraucht. Und weiter: „votum solvit libens“, er hat sein Gelübde (wohl eine Opfergabe an die Götter als Hilfsersuchen) gern eingelöst.

Weiterhin interessant sind die Reste einer alten Staudamm-Brücke am Fluss Medjerda, die unter dem römischen Kaiser Traianus 112 n. Chr. geweiht wurde. Diese Brücke ist die bedeutendste Römerbrücke in Tunesien. Später wurde hier eine der in Tunesien bekanntenn römischen Turbinenmühlen (3. bis 4. Jahrhundert n. Chr.) gebaut. Die zweite Turbinenmühle befindet sich in Testour. Ein Modell im sehr sehenswerten Museum von Chemtou zeigt die Arbeitsweise der Mühle.


Marmorabbau

Chemtou (Simitthus)

Foto: Uwe Bigalke


Die Bewohner von Simitthus profitierten indes vom kaiserlichen Marmorabbau. Sie nutzten die Brücke, die die Römer über die Medjerda gebaut hatten, und zapften die Wasserleitung des Steinbruchlagers an. Verwalter der Steinbrüche stifteten öffentliche Gebäude für die Stadt. Dennoch wurde in der antiken Siedlung kein Marmor in großen Blöcken verbaut. „In der Kaiserzeit wurde der Marmor größtenteils nach Italien exportiert und dort bei kaiserlichen Bauprojekten eingesetzt“, erklärt der Freiburger Archäologe Stefan Ritter. Nur Privilegierte außerhalb der Provinz konnten sich diesen Luxus leisten. Überreste wie das Theater, Zisternen, Reste eines Aquädukts, das Amphitheater sowie die Thermen sind erhalten geblieben. Am 27. November 1997 wurde in Chemtou mit deutscher Unterstützung das archäologische Museum eröffnet, das 30 Jahre Ausgrabungsarbeit zusammenfaßt. Ein paar Jahre zuvor (1993) wurde in Chemtou ein bedeutender Fund gemacht.

Bei Ausgrabungen entdeckten Archäologen einen antiken Goldschatz: 1647 Münzen, geprägt mit dem Bildnis des römischen Kaisers Augustus.




Archäologisches Museum Chemtou

Chemtou (Simitthus)

Archäologisches Museum Chemtou


Überreste wie das Theater, Zisternen, Reste eines Aquädukts, das Amphitheater sowie die Thermen sind erhalten geblieben. Am 27. November 1997 wurde in Chimtou mit deutscher Unterstützung das archäologische Museum eröffnet, das 30 Jahre Ausgrabungsarbeit zusammenfaßt. Ein paar Jahre zuvor (1993) wurde in Chemtou ein bedeutender Fund gemacht. Bei Ausgrabungen entdeckten Archäologen einen antiken Goldschatz: 1647 Münzen, geprägt mit dem Bildnis des römischen Kaisers Augustus.


Hier sehen Sie das Museum von Chemtou, etwa 100 km von Dougga und 20 km von Bulla Regia entfernt. Ich verweise auf die sehr sehenswerte und gut gemachte Homepage des mit Unterstützung des Deutschen Archäologischen Institut Rom errichteten neuen Museums von Chemtou - dem antiken Simitthus - in Nordwest-Tunesien. Mit ausführlichen Beschreibungen der einzelnen Museumsbereiche, Plänen, Zeichnungen und Informationen zu den archäologischen Stätten, wie z. B. den seit dem 2. vorchristlichen Jahrhundert genutzten Marmorsteinbrüchen.

Die Fotos auf dieser Seite wurden mir freundlicherweise von Herrn Uwe Bigalke, dem Autor mehrerer Berichte über das Leben zur Zeit der römischen Herrschaft in Tunesien, zur Verfügung gestellt.

Weitere Informationen zu diesem Thema:

Chemtou - Simitthus - Marmor für Roms Repräsentationsbauten

Römische Turbinenmühlen in Chemtou und Testour



Utica

Utica - Museum

...schöner Eingangsbereich zum Museum....


1700 Jahre
später ist die Erinnerung an das blühende Zeitalter der Steinbrüche verblaßt. In der römischen Ruinenstadt Utica, an der Nordostküste Tunesiens, bedeckt Staub den Fußboden aus numidischem Marmor. Nur wenn ihn der Wärter mit Wasser benetzt, entfaltet der glänzende Stein noch einmal sein prächtiges Farbenspiel. Der blutige Schweiß, der in den Marmorbrüchen von Chemtou (Chimtou) dafür vergossen wurde, ist längst Geschichte. Utica war in der Antike die älteste phönizische Stadt in Nordafrika, gelegen an der Mündung des Bagradas (heute Medjerda) im heutigen Tunesien. Mit Karthago war Utica abwechselnd verbündet und verfeindet.


Cato der Jüngere

Utica

Museum Utica - Stele mit einer dem römischen Kaiser Augustus gewidmeten Inschrift


Im Dritten Punischen Krieg kämpfte es an der Seite Roms. In der römischen Provinz Africa hatte es den Rang einer freien Stadt mit gewissen Sonderrechten und war Provinzhauptstadt bis 43 v. Chr. Im Jahre 46 v. Chr. starb dort Cato der Jüngere "Uticensis" durch Selbstmord. Eine Blütezeit hatte Utica im 2. Jahrhundert n. Chr.. Im 3. Jahrhundert versandete der Hafen. Die Flussmündung des Medjerda liegt heute gut zwölf Kilometer von der einstigen Stadt entfernt.

Mehr zu den Sehenswürdigkeiten der ehemaligen Provinzhauptstadt Utica im Norden von Tunesien finden Sie hier....!


Quellennachweis:


Das Foto "Römische Wassermühle" stammt aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz [34 KB] für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.


Weitere antike Orte:



Hotel Les Pins und Residence Venus

El Kef

Hotel Les Pins und Residence Venus


Das Hotel Les Pins und Residence Venus ist eine moderne Touristen - Herberge in der schönen Stadt Le Kef. Zum Hotel gehört auch das gleichnamige Restaurant Venus, womit auch für Ihr leibliches Wohl gesorgt wäre. Das Hotel bietet sich für individuelle Aufenthalte zur Erkundung der umliegenden Gegend mit seinen Naturschönheiten und den antiken Ausgrabungsstätten an. Der Ort Le Kef liegt an einer Bergflanke in ca. 700 - 850 m Höhe in pittoresker Lage. Der Flughafen von Tunis ist 168 km (Airport Tunis- Carthage) und der von Tabarka 150 km entfernt (Airport Tabarka).


El Kef

Hotel Les Pins und Residence Venus


El Kef ist ein sehr sehenswerter Ort: Es gibt einen Wassertempel aus römischer Zeit zu besichtigen, ferner eine romantische Kasbah, die byzantinische Basilika, die jüdische Synagoge "Al Ghriba" und die Moschee Sidi bou Makhlouf. Interessant ist ein auch ein Besuch des Etnographischen Museums von El Kef, indem Gegenstände des täglichen Bedarfs aus mehreren zurückliegenden Jahrhunderten zusammengestellt wurden - von der tradionellen Kleidung dieser Gegend bis zu Gegenständen aus Kunst und Handwerk.

Adresse:

HOTEL LES PINS & RESIDENCE VENUS

Le Kef - Tunesien

A l'entrée Nord du Kef

Avenue de l'Environnement

Telefon: (216 )78 204 300 - 78 204 021 - 78 200 752 - 78 200 753

Fax: (216) 78 202 411

E-mail: info@hotel-lespins.com

Website: Hotel Les Pins & Residence Venus










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