Pheradi Majus (Sidi Kehlifa)

Pheradi Majus Bab Fradis - Bildquelle: Wikipedia (Public Domain)


...alte römische Straße...



Heute sind wir auf einer Besichtigungstour in südlicher Richtung von Hammamet aus gestartet. Wir wollen Port El Kantaoui und Sousse einen Besuch abstatten. Unsere Fahrt führt uns in Richtung Hammamet-Yasmine. Weiter nach Bouficha, einem kleinen unscheinbaren Ort, dessen Bedeutung in der letzten Zeit durch den Ausbau des touristischen Zentrums von Hammamet - Yasmine stark zugenommen hat. Sollte demnächst tatsächlich das Großprojekt eines neuen geplanten Flughafens in dieser Region durchgeführt werden, wird dieser Ort sicherlich davon profitieren. Er soll in der Küstenebene von Enfida gebaut werden.


Bou Ficha Römische Brücke




Größere Kartenansicht





Wer sich das ganze mal aus der Nähe anschauen möchte, fährt nach Takrouna, einem kleine Berberdorf unweit von Enfida. Vom höchsten Punkt dieses Dorfes kann man, wenn sich der Blick nach Osten wendet, die gesamte Küstenebene übersehen und damit den Standplatz des neuen Großflughafens. Für die Touristen in Nordtunesien sicherlich eine Bereicherung, für die Natur in dieser Gegend ein Verlust. Kurz hinter Bouficha sind wir dann auf diese Brücke gestoßen, die einst Teil des riesigen Straßennetzes im Römischen Reich war. Hinter der Brücke führt die Straße - immer noch schön gepflastert - in Olivenhaine. Weiter haben wir diesen Weg nicht verfolgt. Auf alten Karten ist dieser Weg nicht eingetragen aber ich vermute, dass diese Straße u.a. bis nach Pheradi Majus führt, unserem heutigen Etappenziel.


Bou Ficha Römische Brücke

Pheradi Majus


Pheradi Majus
, auch das große Pheradi genannt, liegt in einer Ebene mit zwei Hügeln, genauer gesagt, zwischen zwei Hügeln. Ein kleiner Bach durchfließt das kleine Tal und mündet im Forum dieser antiken Stadt. Das Markenzeichen dieser Stadt ist das von weitem sichtbare und rekonstruierte Tor- auf arabisch "Bab Fradis" genannt- das diese Stätte wirklich majestätisch krönt. Den ersten Blick werfen wir auf den schön gestalteten Eingangsbereich dieses Besichtigungspunktes. Nachdem wir den Eintritt bezahlt haben, spazieren wir langsam zum Forum mit zwei Plätzen, einem heute noch erkennbaren Markt, einem Tempel und einer Schola.



Pheradi Majus

Sidi Kehlifa


Diese Ruinenstätte wird auch Sidi Kehlifa (Sidi Kahlifa) genannt und war in alten Zeiten von der Verbindungsstraße Karthago - Hadrumetum (Sousse), heute die GP1 zwischen Tunis und Sousse, leicht erreichbar. Der alte Stadtname Pheradi Majus war lange umstritten. Eine Zeit lang glaubte man, Sidi Kahlifa sei die Stadt Aphrodisium (nicht zu verwechseln mit der Stadt Aphrodisias im Westen der heutigen Türkei), die nach dem alexandrinischen Geographen Ptolemäus zwischen Siagu (heute Bir Bouregba bei Hammamet) und Hadrumetum gelegen haben soll. Erst bei den Ausgrabungen im Jahr 1926, die der französische Archäologe L. Poinssot durchführte, fand man im Forum eine lateinische Inschrift, die in Zusammenhang mit dem heutigen Namen gebracht wurde.


Pheradi Majus

Römische Kolonie


Die seit mindestens dem 3. Jahrhundert v. Chr. bestehende Stadt wurde erst im 12. Jahrhundert aufgegeben. Sie stieg unter Kaiser Marc-Aurel (161 - 180) zum lateinischen Municipium auf und wurde zur römischen Kolonie am Ende des 2. Jh oder Anfang des 3. Jh. Zu dieser Zeit wurde die Stadt mit ihren bedeutendsten Monumenten ausgestattet: der Tempel des heiligen Hügels (lange Zeit für eine byzantinische Festung gehalten) und insbesondere das Forum samt seinen Hauptdenkmälern aus der Mitte des 2. Jh n. Chr.. Ein schönes Tor, das zu Unrecht für einen Triumphbogen gehalten wurde, kündigt das Forum an. Dieses Tor bietet Zugang zu den wichtigsten Monumenten der Stadt: ein Nymphäum (öffentliches Brunnenhaus), Verwaltungsbezirk mit Kurie (örtlicher Senatssitz) und andere Monumente, darunter die zivile Basilika (Gerichtshalle) und ein unbekanntes Monument.


Pheradi Majus


Um das Forum liegen Marktplatz mit Portikus, Hof und kleine Geschäfte. Daneben befindet sich das unbekannte Monument von dem angenommen wird, es handelt sich hier um die Schola. Als Hauptbau dieses Stadtbezirks gilt das Kapitol mit seinen drei Nischen, die für die Kultstatuen von Jupiter, Juno und Minerva bestimmt waren. In einiger Entfernung (vor dem Bogen) liegen die öffentlichen Bäder; sie gehören zu den Hauptattraktionen dieser sehr interessanten Stätte.


Pheradi Majus Bab Fradis


Ein Spaziergang im Frühling - unsere Besuchszeit in dieser Stadt - ist ein weiterer interessanter Aspekt und bringt uns die heimische Planzenwelt etwas näher, von denen wir viele Arten gar nicht benennen können. Weil wir sie nicht kennen....

Alles in allem ein schöner Besuch, der uns viel Zeit gekostet hat, weil wir ja ursprünglich bis nach Sousse wollten. Aber die Stadt ist ja auch nicht aus der Welt!




Pheradi Majus

Weitere Orte:

Ghar el-Kebir- Römische Steinbrüche
Kerkouane - Cap Bon
Korbous - schon in der Römerzeit bekannte Heilquellen
Aïn Tébournouk (Tubernuc) - Römische Ruinenstätte bei Bou Arkoub
Römische Brücke - bei Bou Ficha
Segermes - Henchir Harat
Djebel Oust - Römische Thermen (Hammam Oust)
Ausgrabungen in Thaenae (Thyna)
Römisches Capsa - Gafsa
El Kantara und Meninx - Insel Djerba
Antikes Cillium - Kassérine
Uppenna - Byzantinische Ruinenstätte
Agbia - römisch-byzantinische Ruinenstätte (bei Nouvelle Dougga)
Neapolis - Nabeul
Clupea (Kelibia - Cap Bon)




Bilder aus Pheradi Majus








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Adresse:

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Telefon: +216 77.23.73.01 / 77.23.06.89

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