Archäologischer Park Karthago

Tunis - Römisches Karthago

Archäologischer Park der römischen Villen - Cardo maximus




Übersicht

Tunis - Karthago

Karte von Karthago mit den Hauptsehenswürdigkeiten



Der Hügel in Karthago, auf dem einst das Odeon errichtet wurde, befindet sich im Nordwesten des heutigen Stadtteils. Hier kann man den Archäologischen Park der römischen Villen besichtigen, auf dessen Gelände auch das Odeon zu finden ist. Dieser Hügel ist der Ort zahlreicher römischer Hinterlassenschaften, die sehr interessant sind. Aber nicht nur römische Ruinen gibt es hier zu sehen sondern auch eine punische Nekropole und einen Kryptoportikus. Der Park umfasst insbesondere die Überreste einiger römischer Villen, von denen eine - das Maison de la Voliére - die am besten erhaltenen römische Villa in Karthago darstellt. Ein kleines Museum, das bis zur Jasmin-Revolution hier geöffnet hatte, ist heute leider geschlossen.

Archäologischer Park der römischen Villen

Tunis - Römisches Karthago

Archäologischer Park der römischen Villen - Atrium des Maison de la Voliére


Nach der Zerstörung Karthagos durch die Römer vergingen mehr als 100 Jahre, bevor an den Wiederaufbau der Stadt an gleicher Stelle gedacht wurde. Die exponierte Lage der Stadt bewog Kaiser Augustus um 29. v. Chr. etwa 3.000 Siedler hier anzusiedeln. Die Stadt erhielt den Namen Colonia Iulia Concordia Carthago. Zur Errichtung des Forums, eines Kapitols und mehrerer Tempel, die man auf dem Byrsa-Hügel bauen wollte, musste dieser abgetragen werden. Hierbei wurden nun auch noch die letzten Überreste der im Boden befindlichen Ruinen der punischen Stadt bis auf wenige Teile unwiderruflich zerstört. Nach dem Wiederaufbau wurde ein römischer Statthalter eingesetzt.


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Archäologischer Park der römischen Villen - Atrium des Maison de la Voliére


Als solcher war dieser mindestens Mitglied des römischen Senats und sein Titel lautete: Proconsul der Provinz Africa Proconsularis. Dieser Posten war auch in der Kaiserzeit einer der prestigeträchtigsten im ganzen Reich. Die neue Stadt erlebte einen raschen und nachhaltigen Wiederaufstieg, kam zu Reichtum aufgrund ihres Außenhandels und war bereits im 2. Jahrhundert n. Chr. mit über 300.000 Einwohnern nach Rom, Alexandria und Antiochia die viertgrößte Stadt des Römischen Reiches. Diese wirtschaftliche Expansion führte zur Errichtung zahlreicher öffentlicher und privater Bauten, die auch heute noch teilweise erhalten sind.





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Eingangsbereich der Antoninus-Pius-Thermen


Das schönste Beispiel aus dieser Epoche sind die Antoninus-Pius-Thermen, deren Größe und Lage weit über die Grenzen Karthagos berühmt waren. Im Norden des Byrsa-Hügels errichtete man ein Theater, ein Odeon und ein Villenviertel. Im westlichen Bereich des Hügels entstanden ein Amphitheater und ein Hippodrom. Noch heute sind Teile des römischen Straßennetzes erhalten und können im Thermenpark und im Archäologischen Park der römischen Villen besichtigt werden. Über die ganze Stadt verstreut existieren auch heute noch hunderte Zisternen, die neben dem Aquädukt aus Zaghouan die Wasserversorgung der Stadt Karthago sicherstellten.


Zisternen

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Zisterne


Sie sind meist rechteckig gebaut worden, verfügten über eine gewiße Tiefe und waren innen mit einem wasserfesten Mörtel ausgekleidet. Dieser war so widerstandsfähig ist, dass die Zisternen noch bis in unsere Tage sehr gut erhalten geblieben sind. Besonders schöne Beispiele von Zisternen findet man im Park der römischen Villen. Der Zugang zum archäologischen Gelände führt von der Avenue 7 Novembre über die Rue Arnoube zur Montée d'Odéon, an derem Ende der Eingang zu finden ist. Nochmals ein Hinweis: wenn Sie mehrere Objekte in Karthago am selben Tag besichtigen wollen, dann kaufen Sie sich ein Sammelticket. Dieses ermöglicht den Zugang zu allen Sehenswürdigkeiten in Karthago.


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...im Vordergrund die Überreste dses Odeon, im Hintergrund die Moschee Malek ibn Anas de Carthage...


Der Hügel des Odeon und der Park der römischen Villen werden eingegrenzt vom Boulevard de I' Environnoment im Nordwesten, von der La Goulette Road im Südosten und von der Rue 7 Novembre im Südwesten. Das Areal des Parks gehörte einst zur römischen Kolonie von Karthago und lag nördlich der Antoninus-Pius-Thermen. In der näheren Umgebung befinden sich heute der Palast des tunesischen Staatspräsidenten und die Moschee Malek ibn Anas de Carthage. Obwohl das Gebiet außerhalb der Grenzen der ehemaligen punischen Stadt Qart Hadasht (Karthago) lag, war es doch vor der Zerstörung im Jahr 146 v. Chr. besiedelt. Einige dieser vorrömischen Überreste wurden hier bei verschiedenen Ausgrabungen gefunden. Zu diesen zählen auch einige punische Gräber, die aus dem dritten Jahrhundert vor Christus stammen.


Rotunde

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Rotunde - Gebäude aus dem 4. Jahrhundert n. Chr.


Ein Großbrand im von den Römern neu errichteten Karthago im 2. Jahrhundert n. Chr. könnte die Entwicklung dieses Bereichs unterhalb des Hügels gefördert haben. Ein riesiges Gebiet von luxuriösen Häusern, darunter das "Maison de la Voliére", wurde für diesen Anlass bebaut. Ein kreisförmiges Denkmal, das während der Unesco-Kampagne ausgegraben wurde, ist die sogenannte Rotunde, wahrscheinlich ein frühchristliches Gebäude aus dem 4. Jahrhundert n. Chr. in der Nähe des Odeons und der Moschee, möglicherweise in der Zeit Kaiser Konstantins errichtet. Die Gebäudefragmente liegen heute etwa 5 Meter unter dem heutigen Straßenniveau.


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Römisches Theater


Eine monumentale Inschrift des griechischen Gottes der Heilkunst - Äskulap - war ebenfalls in der Nähe zu finden, was zu einem Ort auf dem Gelände vor dem römischen Theater führte, wo man einen punischen Tempel des Eshmoun (phönizischer und karthagischer Heilgott) vermutet. Nach einer langen Zeit, in der das Gebiet in Vergessenheit geraten war, wurde es zu Beginn des 20. Jahrhunderts von französischen Archäologen wiederentdeckt. Das Odeon wurde von 1900 - 1901 ausgegraben und das Römische Theater im Jahr 1922. Dieses Theater wurde restauriert und konnte für Bühneninszenierungen genutzt werden.

Dieser Ort wurde auch durch die Zeitgeschichte geprägt: Sir Winston Churchill sprach hier zu den Soldaten seiner Armeen im Zweiten Weltkrieg. In jüngerer Zeit wurde das Theater im Jahr 1967 restauriert, um das Internationale Festival von Karthago durchzuführen [1].


Kryptoportikus

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Kryptoportikus im Park der römischen Villen


Sehr interessant ist der links vom Eingang beginnende Kryptoportikus, ein überdachter, langer und von Dachöffungen in regelmäßigen Abständen erhellter Gang. Ein Kryptoportikus ist ein ganz oder teilweise unterirdisch gelegener Gewölbegang. In einem davon abweichenden Wortgebrauch bezeichnete Plinius der Jüngere (1. Jahrhundert n. Chr.) auch einen oberirdisch verlaufenden überdachten, von seiner Umgebung abgeschlossenen Wandelgang innerhalb von Villenanlagen als cryptoporticus. In der römischen Architektur wurden Kryptoportiken genutzt, um Höhenunterschiede bei der Planung und Schaffung von Gebäuden zu kompensieren und diesen ein festes Fundament zu verschaffen. Ein erstes Auftreten dieser Gewölbegänge ist im 2. Jahrhundert v. Chr. in Mittelitalien bezeugt und auf die zu dieser Zeit stark verbesserte Technik des Gewölbebaus zurückzuführen.


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Mosaiken im Kryptoportikus


Zuerst auf Terrassenbauten beschränkt, trat der Kryptoportikus ab der Zeitenwende auch als oberirdischer Bauträger auf, häufig in Verbindung mit ein- oder mehrflügeligen Säulenhallen. Eine Blüte erreichte der Bautypus im 1. Jahrhundert n. Chr. und war in den westlichen Provinzen des Römischen Reiches beispielsweise bei Foren weit verbreitet. Aufgrund der gehobenen Ausstattung der meisten Gänge mit Verputz, Wandmalerei etc. ist davon auszugehen, dass diese als schattige Wandelgänge zum Promenieren in den Hitzestunden des Tages genutzt wurden. Für die in der älteren Literatur oft postulierte Verwendung als Lagerraum (horreum) fanden sich bislang keine eindeutigen archäologischen Nachweise [2]. Heute wird dieser Gang als Abstellraum für einst vorgefertigte Mosaikböden/wände genutzt. Zahlreiche sehr schöne Muster dieser aufwendigen Arbeiten können hier besichtigt werden.


Odeon

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Substruktionen des Odeon


Im nördlichen Bereich des Archäologischen Parks befindet sich das Odeon. Für das Odeon ist die aktuelle Situation der Ausgrabung noch schlimmer als für das Theater: es sind nur Spuren von Unterkonstruktionen vorhanden, die in den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts hier entdeckt wurden. Neuere Ausgrabungen fanden in den Jahren 1994 - 1999 statt. Bei der Errichtung der Moschee Malek ibn Anas de Carthage (heutiger Name) wurde keine Rücksicht auf die vorhandenen Ruinen des Odeon genommen. Die Moschee war halt ein Prestigeobjekt des damaligen Präsidenten Ben Ali. Das Odeon wurde einst oberhalb des Theaters auf ebenem Boden errichtet. Das Gebäude besaß halbrunde Korridore für den Zu- und Abgang der Besucher.


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Apollo - römische Skulptur aus dem 2. Jahrhundert n. Chr., heute im Nationalmuseum von Bardo in Tunis - Foto: Wikipedia - Autor: Giorces - Lizenz s.u.


Tertullian (Quintus Septimius Florens Tertullianus oder kurz Tertullian, geb. nach 150 in Karthago - verst. nach 220, war ein früher christlicher Schriftsteller) erwähnt die Entdeckung einiger Gräber bei der Konstruktion des Gebäudes. Über die Ausstattung des Odeon ist nicht viel bekannt, jedoch sollen rosa und grün farbige Marmorsäulen, die mit korinthischen Kapitellen geschmückt waren, das Bauwerk verschönert haben. Viele Kunstwerke schmückten einst das Gebäude, von denen einige bei Ausgrabungen gefunden wurden. Da das Odeon auch als Theater genutzt wurde, fanden sich hier viele Statuen von Göttern, die heute im Nationalmuseum von Bardo zu sehen sind, darunter das berühmte Meisterwerk der Statue des Gottes Apollon. Da die Bühnenwand des Odeon Nischen besaß, geht man davon aus, dass diese mit Skulpturen geschückt waren [1].




Römisches Karthago

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Platz des römischen Forums auf dem Byrsa-Hügel


Unter Kaiser Julius Cäsar reifte der Plan, die Stadt wieder aufbauen zu lassen, was dann auch während der Regierungszeit von Kaiser Augustus geschah, der 29 v. Chr. 3000 Siedler in Karthago ansiedelte. Die Stadt erhielt den Namen Colonia Iulia Concordia Carthago. Bereits im zweiten christlichen Jahrhundert war Karthago mit über 300.000 Einwohnern nach Rom, Alexandria (Ägypten) und Antiochia die viertgrößte Stadt des Römischen Reiches. Zu den Überresten aus der römischen Epoche zählen neben den Antoninus-Pius-Thermen auch das Hippodrom, das Amphitheater....

Weitere Informationen zum römischen Karthago in Tunis-Carthage finden Sie hier....!


Römischer Aquädukt

Oudna - Römischer Aquädukt

...im Hintergrund das neue Oudna...


Die Überreste der Aquädukte von Palmyra und Samos (Tunnel des Eupalinos, im 6. Jahrhundert v. Chr. von Eupalinos von Megara erbaut) sind Beispiele von unterirdischen Kanälen, die das Wasser aus mehr oder minder entfernt liegenden Quellen in die Städte führten. Am bekanntesten sind die Aquädukte der Römer, da sie oft auf gewölbten Bogenstellungen geführt wurden und zu den bedeutendsten Bauwerken der Antike gehören. Bei dem kleinen Ort Oudna (Oudhna) in Nordtunesien finden Sie die schönsten Teile dieses Bauwerks - schon von weitem ist der Aquädukt in einer langen Linie zu erkennen und wird beim näherkommen immer größer.....

Weitere Informationen zum ehemaligen römischen Aquädukt in Nordtunesien finden Sie hier....!


Antoninus-Pius-Thermen

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Antoninus-Pius-Thermen


Eines der prächtigsten römischen Bauwerke hier in Nordafrika, die Antoninus-Pius-Thermen, wurden 162 n. Chr. fertiggestellt und besaßen eine Ausdehnung von etwa 200 Meter. Benannt wurden die Thermen nach dem römischen Kaiser Antoninus Pius (86 - 161 n. Chr.), der von 138 bis zu seinem Tod regierte, einem Zögling Kaiser Hadrians und der vierte von insgesamt sechs Adoptivkaisern. Das Römische Reich erlebte unter ihm, dem Begründer der Antoninischen Dynastie....

Weitere Informationen zu den Antoninus-Pius-Thermen in Karthago finden Sie hier....!


Zisternen von La Malga

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Römische Zisternen von La Malga


Eine weitere Sehenswürdigkeit in Karthago sind die römischen Zisternen von La Malga. Viele Besucher, die einen Ausflug nach Tunis buchen, kommen hier vorbei oder legen eine Mittagsrast im nahe gelegenen Restaurant Le Phenix de Carthage ein. Das Restaurant ist auf Reisegruppen spezialisiert, die hier bei einem kurzen Aufenthalt das Mittagessen einnehmen. Meist geht es so schnell, dass man vergißt, die direkt neben der Gaststätte liegenden Zisternen näher in Augenschein zu nehmen....

Weitere Informationen zu den römischen Zisternen von La Malga in Karthago finden Sie hier....!


Quellennachweis:


1.: Die Informationen zum Archäologischen Park der römischen Villen in Karthago (Colline de l'odéon et parc des villas romaines de Carthage) basieren auf dem Artikel Colline de l'odéon et parc des villas romaines de Carthage (Stand vom 21.01.2009) aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und stehen unter der GNU-Lizenz [34 KB] für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar. Das Foto "Apollo - römische Skulptur aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. - Nationalmuseum Bardo Tunis - Autor: Giorces" ist lizenziert unter der Creative Commons Attribution 2,5 Generic und unter der Creative Commons-Lizenz „Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported".

2.: Informationen zum Kryptoportikus stammen aus der Wikipedia, zuletzt abgerufen am 22.04.2015!


Fotos Archäologischer Park Karthago









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